Magersucht / Essstörung

Was heisst es, magersüchtig zu sein? Eine Essstörung zu haben? Das heisst, dass sich die Gedanken mehr oder weniger Nonstop ums Essen drehen. Kalorien zählen! Wann was und wieviel gegessen werden darf, um nicht an Gewicht zuzunehmen. Kompensation, Selbstbestrafung, Liebesentzug. Sich spüren, durch negative Empfindungen. Schuldgefühle unterdrücken, den Schmerz durch einen anderen Schmerz ersetzen, welcher vermeintlich selbst kontrolliert und gesteuert werden kann. Kontrolle behalten. Den Schmerz, die quälenden Gedanken des Nichtgenügens, des Falsch seins, betäuben. Die Kontrolle über den Körper zu haben, indem ihm so wenig wie möglich Nahrung zugeführt wird. Oder das Gegenteil, mit dem viel zu viel Essen aufs Mal, welches in diesem Moment Glücksgefühle auslöst, um kurze Zeit später wieder in ein Loch zu fallen, hinein in ein noch grösseres Loch des Mangels. Das Gefühl, versagt zu haben, da die Kontrolle kurzzeitig verloren war, Selbstbestrafung durch kein Essen, gar erbrechen, Liebesentzug. Dann wieder ganz viel Essen, so wird kurzzeitig ein vermeintlicher Überfluss an Liebe zugeführt, durch das zu viele Essen, um sich danach wieder der Liebe zu entziehen, ein grosses Gefühl der Wertlosigkeit, da kurzzeitig die Kontrolle wieder verloren ging. Selbstbestrafung, Bestätigung des Nichtgenügens, der Liebe nicht wert. Und dann alles wieder von vorne. Tag um Tag. Woche um Woche. Monat um Monat…

Magersucht/Essstörung, wie sie ablaufen kann, was die Hintergründe dieser Sucht sein können. Jedoch ist meine persönliche Meinung, dass hinter jeder Sucht, das gleiche Thema die treibende Kraft ist. Die Suche nach der Liebe – der Selbstliebe.  Die bedingungslose Selbstakzeptanz, Selbstannahme. Das Ablegen von aussen auferlegten Schuldgefühlen, selbst aufgeladenen Schuldgefühlen, Schuldzuweisung uns selbst und anderen gegenüber. Es braucht die bedingungslose Vergebung. In erster Linie uns selbst gegenüber. Manchmal ist es nötig, den Ursprung herauszufinden. Unsere eigenen Glaubensmuster zu durchleuchten, die unserer Familie, der Gesellschaft. Wir passen uns an, um geliebt zu werden. Wir glauben, Liebe verdienen zu müssen, statt anzuerkennen, dass wir es wert sind, geliebt zu werden, unabhängig unserer Leistungen, unseres Aussehens. Das Anerkennen und Akzeptieren dieses Ungleichgewichts, dass etwas nicht stimmt, erfordert oft viel Mut. Mit dem Ablegen der Schuldzuweisung an uns selbst, mit dem Ablegen der Schuldzuweisung am Aussen. Das Aufgeben von der Ausrede, dass wir nur so handeln «können», weil wir so auf das Aussen reagieren «müssen». Hinein in die Eigenverantwortung.