Schuld - Sucht - Vergebung
Wie oft hast du dir den Satz schon anhören dürfen, «du bist schuld»?
Wie oft hast du den Satz anderen gegenüber ausgesprochen, «du bist schuld»?
Wie oft hast du dich schon schuldig gefühlt?
Wie oft fühlst du dich schuldig?
Wahrscheinlich hat jede Person, die diese Zeilen liest, sich schon mal verletzend gegenüber einer anderen Person verhalten oder hat sich selbst verletzt gefühlt. Manchmal handeln wir verletzend, wenn wir uns selbst verletzt, hilflos einer Person oder Situation gegenüber fühlen. Oft handeln wir aber auch verletzend, weil wir uns selber schuldig fühlen, jedoch die Verantwortung für unser Handeln dem Gegenüber zuschieben wollen. Eigentlich wollen wir nicht verletzend handeln, und trotzdem passiert es. Wir drücken so unseren Schmerz aus, hoffen, diesen mit einer Racheaktion lindern zu können. Meist aber passiert das Gegenteil. Wir vergrössern das Schuldgefühl, den Schmerz in uns, bauen Stein für Stein, Mauern um uns herum auf, und füttern den Schmerzkörper. Geben der Welt für unser Desaster Schuld. Flüchten in eine eigene Welt. Es beginnt ein Kreislauf und Gedanken wie "nie wieder werde ich mein Herz einem Menschen öffnen. Das werde ich nie verzeihen etc.", vergrössern den Schmerz noch mehr. Es wiederholt sich immer wieder, bis wir lernen, uns und andern zu vergeben, uns zu entschuldigen und Entschuldigungen anzunehmen. Ein Ereignis, bei welchem wir das Gefühl hatten, uns schuldig gemacht zu haben, kann uns lange Zeit, vielleicht ein Leben lang verfolgen, ziehen es mit, lassen uns klein halten, das Gefühl von "nicht geliebt zu sein, es nicht verdient zu haben, dass uns vergeben wird, echt geliebt zu werden", vergössert sich. Daraus entwickeln wir Ängste, Depressionen, körperliche Beschwerden, Abhängigkeiten, die wir aber nicht in Verbindung mit unserer Schuld setzen, die im Hintergrund wirkt, sich erst Jahre später zum Vorschein kommen, erst recht, wenn diese vorgängig erfolgreich mit Süchten kompensiert wurden. Wenn wir uns in einer Angelegenheit schuldig fühlen, entwickeln wir sehr oft eine Sucht, um den Schmerz nicht zu spüren.
So können wir Jahre damit verbringen, Schuld-, Schamgefühle, das Gefühl nicht zu genügen, mit Süchten kompensieren. Sport-, Arbeit-, Drogen-, Sex-, Alkohol-, Eifer-, Dramasucht, die Sucht, Unwahrheiten zu erzählen, mit Schweigen zu bestrafen, Essstörungen, Schönheitsoperationen…unzählige Möglichkeiten, sich selbst davonzulaufen. Meist entwickeln wir gleich mehrere Süchte zusammen. Selbstbestrafung.
Wie sehr also macht es Sinn, sich schuldig zu fühlen? Ja, wir machen Fehler. Dies zu erkennen der erste Schritt. Die Erkenntnis, warum wir so oder so gehandelt habe, die Verantwortung für unser Verhalten und deren Auswirkung vollkommen zu uns nehmen, ein weiterer wichtiger Schritt. Sich selbst darin zu vergeben, sich zu entschuldigen, die wohl allerwichtigste Entscheidung, wie auch eine Entschuldigung annehmen zu können, die Lösung um aus dem ewigen Kreislauf von Wiederholungen erlöst zu werden, das Muster zu erkennen und zu durchbrechen.